Notstrom und Blackout-Vorsorge mit Batteriespeicher: Der Ratgeber für Österreich
Jul 10, 2026
Stand: September 2026.
Ein Batteriespeicher kann Ihr Haus bei einem Stromausfall weiter versorgen – aber nicht jeder Speicher kann das, und nicht jede Installation ist dafür zulässig. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was Sie für eine echte Blackout-Vorsorge brauchen: die richtigen Begriffe, realistische Laufzeiten, die Vorgaben in Österreich und die Grenzen eines Speichers.
Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb – was ist was?
- Notstrom: Bei Netzausfall versorgt der Speicher ausgewählte Stromkreise über einen eigenen Ausgang – etwa Kühlgeräte, Licht, Router, Heizungssteuerung. Das ist die häufigste und einfachste Lösung.
- Ersatzstrom: Das gesamte Haus wird bei Netzausfall vom Netz getrennt und aus Speicher und PV weiterversorgt. Dafür ist eine normgerechte Umschalteinrichtung nötig.
- Inselbetrieb: dauerhaft netzunabhängige Versorgung ohne Netzanschluss – ein eigenes Thema und für normale Wohnhäuser selten sinnvoll.
Wichtig: Eine PV-Anlage ohne geeigneten Speicher und Wechselrichter liefert bei Stromausfall keinen Strom. Der Wechselrichter schaltet aus Sicherheitsgründen ab.
Wie schnell und wie viel?
Unsere All-in-One-Heimspeicher schalten bei Netzausfall automatisch in höchstens 10 Millisekunden um – so schnell, dass Computer und Router in der Regel weiterlaufen. Die Leistung ist durch den Wechselrichter begrenzt: 8, 10 oder 12 kW je nach Modell, verteilt auf drei Phasen. Große Verbraucher mit hohem Anlaufstrom, etwa Wärmepumpen-Kompressoren, sollten Sie gemeinsam mit dem Installateur prüfen.
Wie lange hält der Speicher durch?
Rechnerische Laufzeit bei vollem Speicher, ohne Nachladung durch PV:
| Dauerlast im Haus | 10 kWh | 20 kWh | 30 kWh | 45 kWh |
|---|---|---|---|---|
| 300 W (Kühlschrank, Router, Licht) | ca. 33 h | ca. 66 h | ca. 100 h | ca. 150 h |
| 500 W (+ Heizungspumpe, TV) | ca. 20 h | ca. 40 h | ca. 60 h | ca. 90 h |
| 1.000 W (+ Kochen, Warmwasser zeitweise) | ca. 10 h | ca. 20 h | ca. 30 h | ca. 45 h |
| 2.000 W (weitgehend normaler Betrieb) | ca. 5 h | ca. 10 h | ca. 15 h | ca. 22 h |
Richtwerte: Kapazität ÷ Dauerlast. Wandlungsverluste und eine Mindestreserve verkürzen die Zeit um etwa 10–15 %.
Tagsüber lädt die PV-Anlage den Speicher auch während des Ausfalls nach. Im Sommer lassen sich so mehrere Tage überbrücken. Im Winter reicht die PV-Leistung oft nicht – genau dann, wenn Heizung und Licht am meisten brauchen.
Mehrtägige Ausfälle: Speicher plus Aggregat
Für eine robuste Blackout-Vorsorge über mehrere Tage empfiehlt sich die Kombination mit einem Notstromaggregat. Die Lenercom-Systeme haben eine Generator-Anbindung: Das Aggregat lädt die Batterie, der Speicher versorgt das Haus leise und stabil, das Aggregat läuft nur stundenweise. Das spart Treibstoff und schont Geräte, die empfindlich auf schwankende Aggregatspannung reagieren.
Was in Österreich vorgeschrieben ist
Sobald das ganze Haus oder Teile der Hausinstallation bei Netzausfall aus dem Speicher versorgt werden, muss sichergestellt sein, dass kein Strom zurück ins öffentliche Netz gelangt – dort könnten Techniker an vermeintlich spannungsfreien Leitungen arbeiten. Die Netzbetreiber verlangen daher unter anderem:
- eine Umschalteinrichtung nach OVE E 8101 Teil 5-55 bzw. OVE EN 60947-3 mit mechanischer Verriegelung zwischen Netz- und Ersatzstrombetrieb,
- die Trennung aller aktiven Leiter einschließlich Neutralleiter (im TN-System in der Regel vierpolig),
- die schriftliche Zustimmung des Netzbetreibers vor Inbetriebnahme; eine Anzeige der Netzwiederkehr wird empfohlen.
Die genauen Ausführungsbestimmungen unterscheiden sich je nach Netzbetreiber. Planung und Anschluss sind Sache einer befugten Elektrofachkraft. Für die Versorgung des ganzen Hauses über einen manuellen Umschalter (MTS) liefern wir zu unseren Systemen den passenden Schaltplan.
So planen Sie Ihre Blackout-Vorsorge
- Prioritäten festlegen: Was muss laufen? Kühlung, Heizungssteuerung und Umwälzpumpe, Licht, Kommunikation, eventuell Brunnen- oder Hebepumpe.
- Dauerlast abschätzen: Leistungsangaben addieren oder mit einem Messgerät prüfen.
- Lösung wählen: Notstromkreis für das Wichtigste oder Ersatzstrom fürs ganze Haus.
- Speichergröße: Laufzeit-Tabelle oben; für Blackout-Reserve eher eine Stufe größer als für den reinen Eigenverbrauch.
- Winter mitdenken: Generator-Anbindung einplanen, wenn mehrere Tage überbrückt werden sollen.
- Testen: Umschaltung einmal jährlich kontrolliert ausprobieren.
Häufige Fragen
Funktioniert Notstrom auch ohne PV-Anlage?
Ja, der Speicher versorgt das Haus aus der Batterie. Nachladen kann er dann nur über das Netz oder ein Aggregat.
Läuft meine Wärmepumpe im Notstrombetrieb?
Das hängt von Leistung und Anlaufstrom ab. Bei 10–12 kW Wechselrichterleistung ist das oft möglich, muss aber im Einzelfall geprüft werden – und sie verkürzt die Laufzeit deutlich.
Ist ein Speicher besser als ein Aggregat?
Für kurze Ausfälle ja: sofort verfügbar, leise, ohne Treibstoff. Für lange Ausfälle im Winter ist die Kombination aus beidem am robustesten.
Kann ich Notstrom nachrüsten?
Ja, bei einem Speicher mit Notstromfunktion lässt sich der Ausgang oder ein Umschalter auch später anschließen. Mehr im Ratgeber Stromspeicher nachrüsten.
Normenhinweise nach den Ausführungsbestimmungen der Netz OÖ GmbH zur Ersatzstromversorgung; maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Netzbetreibers. Angaben ohne Gewähr.